Maribor und die Stara Trta: 450 Jahre alte Weinrebe und echte Winzerbesuche

Wein-Wanderungen zu Familienweingütern und historischen Stadtteilen abseits der touristischen Routen

Autor: Klaus Hoffmann

## Die älteste produktive Weinrebe der Welt Im Lent-Viertel von Maribor, direkt an der Drau, steht eine Pflanze, die älter ist als viele Staatsgründungen: die Stara Trta. Mit über 450 Jahren ist sie laut Guinness-Weltrekorden die älteste produktive Weinrebe der Welt. Die Žametovka-Rebe wächst an der Hauswand des Alten Rebenhofs und trägt jedes Jahr aufs Neue Trauben, aus denen lokale Winzer einen Wein keltern. Das Haus der Alten Rebe bietet Führungen an, doch hier beginnt die eigentliche Geschichte erst – nicht in den Tourismusbroschüren, sondern in den Gesprächen mit den Winzern ringsum. ## Kleine Weingüter ohne Tourismusbetrieb Rund um die Stara Trta und in den Außenstadtteilen Maribors liegen familiengeführte Weingüter, die kaum Busgruppen sehen. Diese Winzer bewirtschaften oft nur wenige Hektar und verkaufen direkt aus ihren Kellern. Im Herbst, wenn die Traubenlese beginnt, sind sie bereit zu erzählen: von den Böden, vom Pohorje-Einfluss auf das Klima, von Jahrgängen, die schlecht waren, und von denen, die überraschten. Das Štajerska-Weingebiet (Stajerska-Weinregion) ist Sloweniens älteste und größte Weinregion. Maribor liegt direkt darin. Wer hierherkommen will, sollte sich Zeit nehmen – nicht zwei Stunden, sondern einen halben Tag mindestens. Die besten Besuche entstehen, wenn man an einem Weingut einfach anklopft und fragt, ob der Winzer gerade Zeit hat. Viele haben Zeit. ## Historische Stadtteile jenseits der Altstadt Maribor ist Sloweniens zweitgrößte Stadt. Die bekannte Route führt über den Hauptplatz, zur Pestsäule, zum Schloss. Das ist wichtig für die erste Orientierung, aber die eigentliche Substanz liegt daneben. Das Lent-Viertel unmittelbar an der Drau mit der Stara Trta ist bereits weniger besucht als die Altstadt. Hier sind die Häuser älter, die Straßen enger, und die Konversation mit Einheimischen leichter. Jenseits des Flusses, in Südrichtung, liegen Stadtteile wie Razvanje und Bohlinger, die kaum im Reiseführer stehen. Dort sind noch die echten Winzerwohnhäuser, oft mit großem Weinkeller im Erdgeschoss – ein altes Mariborer Merkmal. Ein Spaziergang durch diese Straßen zeigt die Strukturen, auf denen die Stadt gewachsen ist. Im Herbst hängen Trauben an privaten Spalieren und kleine Handschriften an Haustüren künden von Kostproben. ## Saisonale Weinlesefeste und lokale Feierlichkeiten Der Herbst ist die Jahreszeit für Maribor. Zwischen September und November reifen die Trauben und finden lokale Weinlesefeste statt – nicht die großen Marktschreierei-Events, sondern kleinere Viertel-Feiern. Das Fest rund um die Stara Trta selbst ist inzwischen bekannter, aber die Dorf- und Weingut-Feste in den Außenbereichen sind authentischer. Dort wird wirklich gelesen, gekocht und getrunken, nicht nur ausgeschenkt. Die Ernte ist harte Arbeit. Wer will, kann sich daran beteiligen – manche Weingüter nehmen Freiwillige an, besonders im Oktober. Das ist keine Tourismusattraktion, sondern echte Feldarbeit, bezahlt mit Essen, Wein und Gesprächen. ## Wanderrouten mit Weinstoppagen Vom Pohorje-Gebirge südwestlich Maribors bis hinunter in die Ebenen der Drau erstreckt sich das Wandergebiet. Die bekannte Route geht über die Seilbahn auf die Höhe, zum Skigebiet Mariborsko Pohorje oder zum Mountainbike-Park. Interessanter für Wein-Wandernde ist eine andere Logik: von unten starten, von den Weingütern in Maribor aus in Richtung Pohorje aufsteigen, die Höhenstraße nutzen und dann wieder hinab zu einem anderen Weingut. Eine durchaus machbare Variante ist die Schleife vom Lent-Viertel durch die Außenstadtteile (Razvanje Richtung Süd-Osten), dann hinauf zu den ersten Hügeln des Pohorje (ungefähr 300 Höhenmeter über mehrere Kilometer), ein Mittagessen in einem Berg-Gasthaus dort, und hinab auf einem anderen Weg zurück. Solche Routen erfordern Planung und einen Wanderkarte – die Markierungen sind nicht immer deutlich – aber sie führen durch wenig besuchte Weinberge. Wer die Route fahren will statt laufen: Mietwagen und dann gezielt zu Adressen fahren, die man vorher recherchiert hat. Die Winzer-Verzeichnisse der Region sind im Internet einsehbar. ## Was wird getrunken? Die Žametovka aus der Stara Trta selbst ist ein leichter, fruchtiger Rotwein – nicht komplex, aber ehrlich. Um Maribor herum wachsen aber auch Rebsorten wie Laski Rizling (Welschriesling), Sauvignon Blanc, Pinot Noir und lokale Spezialitäten. Es lohnt sich, mehrere zu probieren, nicht um eine Rangliste zu erstellen, sondern um zu verstehen, wie unterschiedlich die Böden und Lagen sind. ## Praktisches für den Herbstbesuch Oktober ist ideal – nicht zu heiß, die Nächte kühl, die Arbeit auf den Feldern in vollem Gang. September kann noch sommerlich-warm sein, November wird unzuverlässig mit Regen. Gutes Schuhwerk ist wichtig, ebenso eine Jacke für die Höhen des Pohorje. Maribor ist von Wien aus etwa 4 Stunden Fahrt, von Ljubljana etwa 2 Stunden. Übernachtungen gibt es in der Stadt selbst, aber auch in kleineren Gasthöfen in den Außenstadtteilen – dort ist es ruhiger und oft näher an den Weingütern. Eigene Recherche aus öffentlichen Reiseführern und Regionalinformationen.
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